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Den Untersberg erleben: Wandern, Klettern, Hütten und Eishöhle
Foto: Andreas Jackwerth
Bayer und Salzburger zugleich, Wanderberg und Kletterparadies, sagenumwoben und stadtnah: Der Untersberg ist der Hausberg der Mozartstadt und zugleich der nördlichste Eckpfeiler der Berchtesgadener Alpen. Wer den Untersberg erkunden will, findet hier alles auf einen Blick: die wichtigsten Touren vom gemütlichen Plateauspaziergang bis zum ernsten Klettersteig, die Hütten zum Einkehren und Übernachten, dazu Wissenswertes zu Natur, Anreise und Sicherheit.
Warum sich der Untersberg lohnt
1. Seine Form: Oben Plateau, innen Höhlensystem
Ein Drittel des 70 Quadratkilometer großen Massivs gehört zu Österreich, zwei Drittel zu Deutschland. Oberirdisch ragen der Berchtesgadener Hochthron mit 1.972 Metern und der Salzburger Hochthron mit 1.853 Metern in die Höhe. Obenauf liegt ein rund 17 Quadratkilometer großes Plateau, über das die Staatsgrenze zwischen Österreich und Deutschland verläuft. Unterirdisch durchlöchert ein rund 70 Kilometer langes Höhlensystem den verkarsteten Berg.

2. Seine Vielseitigkeit: Wandern mit Oma oder schwierige Kletterrouten begehen
Seine größte Stärke ist die Vielseitigkeit. „Das Tolle am Untersberg ist seine Vielseitigkeit. Ich kann hier mit meiner Oma wandern gehen. Ich kann mich aber auch auf Kletterrouten in den höchsten Schwierigkeitsgraden austoben“, sagt die passionierte Sportkletterin Sarah Hadler, eine Salzburger Finanzmanagerin, die den Untersberg neben ihrem Job wie ein gut belüftetes Fitnesscenter nutzt und mindestens einmal pro Woche vor der Arbeit über den Thomas-Eder-Steig zur Toni-Lenz-Hütte läuft.
3. Seine Mythen: Zeitlöcher und Sound of Music
Dazu kommt das, was sich schwerer in Zahlen fassen lässt. „Manche glauben, am Untersberg gibt es ein Zeitloch“, erzählt Stöhrhaus-Wirt Florian Freundl. „Und manche glauben, er ist ein Kraftort, magisch beinahe. Ob etwas davon stimmt, weiß ich nicht. Irgendwas hat er jedenfalls, dieser Berg.“ Sagenbücher berichten von einer Hochzeitsgesellschaft, die im Berg eine Nacht durchfeiert und draußen 500 Jahre später wieder herauskommt; Kaiser Karl der Große soll seit über 1.200 Jahren in einer Höhle auf seine Auferstehung warten. Weltweite Bekanntheit verdankt der Berg aber vor allem dem Kino: Das Untersbergmassiv ist Kulisse des Filmklassikers „Sound of Music“, und nicht zuletzt deshalb pilgert jährlich rund eine halbe Million Menschen hierher.
Die wichtigsten Touren am Untersberg
Wandern: Dopplersteig (große Runde)
Wer Holz- und Felsstufen liebt, ist am Dopplersteig in seinem Element. Die schwere, zum Teil mit Seilen versicherte Tour führt durch das Rosittental über das Zeppezauerhaus hinauf aufs Geiereck bzw. zur Untersbergbahn-Bergstation und weiter zum Salzburger Hochthron.
Ausgangspunkt: Parkplatz Rosittenstraße, Grödig
Dauer: 8,25 h | Strecke: 13,7 km | Höhendifferenz: 1.615 m
Wichtig: Fitness, Trittsicherheit und trockenes Wetter sind Voraussetzung. Bei Nässe wird es extrem rutschig und gefährlich – Kinder oder Untrainierte sind hier fehl am Platz. Wer nicht zur Bergbahn zurückgeht und mit ihr ins Tal fährt, steigt über den einfacheren Reitsteig ab.


Wandern · Salzburg


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Wandern: Untersbergüberschreitung für Grenzgänger
Schummelt man mithilfe der Untersbergbahn, ist die salzburgisch-bayerische Untersberg-Überschreitung von der Bergstation nach Maria Gern in einem Tag machbar. Zur Belohnung für die Strapazen gibt es stille Latschen-Labyrinthe, traumhafte Ausblicke über Salzburg und ins Berchtesgadener Land und amikale Gams-Begegnungen. Von Maria Gern geht es mit einmal Umsteigen per Bus zurück zum Ausgangspunkt.
Ausgangspunkt: Untersbergbahn-Bergstation
Dauer: 6,45 h | Strecke: 13,9 km | Höhendifferenz: 608 m Aufstieg, 1.660 m Abstieg


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Wandern/Höhlentour: Schellenberger Eishöhle zum Abkühlen
Die größte Schaueishöhle Deutschlands muss man nicht mit Halbschuhtouristen teilen. Die Schellenberger Eishöhle kann nur betreten, wer den steilen Aufstieg über den Eishöhlenweg hinter sich gebracht hat – zuerst durch schattigen Wald, dann ausgesetzt mit herrlichen Weitblicken. 20 Minuten vor dem Ziel kann man sich in der Toni-Lenz-Hütte stärken. Oder man ändert hier seine Pläne und geht stattdessen über die Mittagsscharte auf den Salzburger Hochthron. Nach der Höhlenführung bietet es sich an, über das Zeppezauerhaus zur Untersbergbahn-Bergstation zu wandern.
Ausgangspunkt: Maria Gern
Dauer: 3,5 h | Strecke: 7,8 km | Höhendifferenz: 1.592 m
In Deutschlands einziger für Laien erschlossener Eishöhle führt der Wahl-Berchtesgadener Patrick Varga täglich mehrmals durch eine ganzjährig frostige Welt. Es geht vorbei an blaugrün leuchtenden Eiswänden, gefrorenen Wasserfällen und bizarr gewachsenen Säulen aus mitunter jahrtausendealtem Eis. Den Klimawandel bekommt aber auch diese Höhle zu spüren: „Allein im letzten Jahr hatten wir sieben Zentimeter Neueis und 43 Zentimeter Schwund“, berichtet Varga.


Wandern · Bayern


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Klettersteig: Berchtesgadener Hochthronsteig
Der Berchtesgadener Hochthronsteig ist der Klettersteig-Klassiker am Untersberg. Im Marktschellenberger Ortsteil Ettenberg beginnt der Zustieg. Vom Parkplatz führt eine Schotterstraße durch den Wald bergauf, bald zweigt rechts der Wanderweg zum Scheibenkaser ab. Durch Latschen- und Schottergelände kommt man zum Einstieg. Dann führt der Steig im Schwierigkeitsgrad C/D mit Drahtseilen und Trittbügeln gesichert durch die 400 Meter hohe Ostwand des höchsten Untersberg-Gipfels. Abstieg über Stöhrhaus und Scheibenkaser.
Ausgangspunkt: Parkplatz Hinterrossboden
Dauer: 6,5 h | Strecke: 11,8 km, davon 600 m im Klettersteig | Höhendifferenz: 1.240 m
Hinweis: Hier muss man richtig zupacken können und genug Kraft, Ausdauer und Klettersteigerfahrung mitbringen


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Wandern: Durch die Almbachklamm
Eine familienfreundliche Alternative für heiße Tage führt durch die wildromantische Almbachklamm am Fuß des Untersbergs. Der einstige Triftsteig ist bestens ausgebaut: Zahlreiche Stufen, Stege und Brücken führen durch die enge Schlucht, vorbei an Wasserfällen und türkisen Gumpen, bis sie sich bei der Theresienklause weitet. Von dort geht es gemütlich hinauf nach Ettenberg mit seiner barocken Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung und schließlich zurück zum Ausgangspunkt.
Ausgangspunkt: Parkplatz Almbachklamm (Kugelmühle), Marktschellenberg
Dauer: 2:30 h | Strecke: 1,7 km | Höhendifferenz: 334 m
Tipp: Am Anfang oder Ende lohnt ein Besuch der Kugelmühle, in der seit 1683 Kugeln aus Untersberger Marmor geschliffen werden.


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Biken: Rund um den Untersberg
Der beschilderte Radweg „Rund um den Untersberg“ eignet sich als Gravelrunde oder als gemütliche E-Bike-Spazierfahrt. Von Berchtesgaden radelt man mit Watzmann-Blick über Bischofswiesen, vorbei am Wehrturm Hallthurm und dem Salzburger Freilichtmuseum, bis erneut der Watzmann-Blick die Runde vervollständigt. Wer es anspruchsvoller mag, kann die Runde mit dem reichen Angebot knackiger Rennrad- oder Mountainbikerouten erweitern.
Dauer: 2–4 h | Strecke: 45 km | Höhendifferenz: 318 m


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Die wichtigsten Hütten
Sicher kann man einfach mit der Untersbergbahn auf den Berg gelangen – aber die Einkehr auf einer der Hütten ist Teil des Erlebnisses.

Das Stöhrhaus thront auf 1.894 Metern, gleich unterhalb des Berchtesgadener Hochthrons. Das 1901 erbaute Haus bietet 58 Schlafplätze und ist für Wanderer wie Kletterer ein zentraler Unterschlupf – beginnt doch der Berchtesgadener Hochthronklettersteig fast vor der Hüttentür. Hüttenwirt ist Florian Freundl, der dreizehn Jahre lang einen Würstelstand in der Salzburger Innenstadt betrieb, bevor ihn der Lockruf des Untersbergs ereilte.

Die Toni-Lenz-Hütte liegt auf 1.438 Metern und ist von der Schellenberger Eishöhle nur 20 Gehminuten entfernt – die ideale Stärkung vor oder nach der Höhlenführung. Namensgeber war einer der Gründer des örtlichen Vereins für Höhlenkunde.

Das Zeppezauerhaus liegt nur wenige Gehminuten von der Bergstation der Untersbergbahn entfernt und bietet 53 Schlafplätze in Betten und Lagern sowie eine Terrasse mit Blick über Salzburg bis ins Voralpenland. Erreichbar per Seilbahn oder sportlich über Reit- oder Dopplersteig von Glanegg.
Anreise und Infrastruktur

Am bequemsten ist man rund um den Untersberg mit den Öffis unterwegs (mit der Berchtesgadener Gästecard kostenlos):
Bus 840 verbindet halbstündlich den Salzburger Hauptbahnhof mit Grödig, Marktschellenberg, Berchtesgaden und der Jennerbahn am Königssee.
Zusätzlich steht das Watzmobil als On-Demand-Service zur Verfügung (watz-mobil.de).
Wer den Aufstieg abkürzen möchte, fährt mit der Untersbergseilbahn in achteinhalb Minuten von St. Leonhard bei Grödig aufs Geiereck unterhalb des Salzburger Hochthrons.
Wer mehr über das Schutzgebiet erfahren will, besucht das „Haus der Berge“ am Fuße des Untersbergs, das Zentrum des Nationalparks Berchtesgaden, mit der sehenswerten Dauerausstellung „Vertikale Wildnis“.
Natur und Wissen am Wegrand
Der Untersberg ist nicht nur Sport-, sondern auch Naturraum – und manches am Wegrand sollte man kennen.

Heilkräuter und Giftpflanzen
Wanderführerin Katja Springl, die alle Wege am Berg kennt, weiß auch, was neben ihnen wächst: „Das ist Augentrost, der hilft bei Bindehautentzündungen, die silberne Schafgarbe regt die Verdauung an.“ Vorsicht ist allerdings bei einer Pflanze geboten, die am Untersberg seit jeher wuchert: der Eisenhut, die giftigste Pflanze Europas, mit ihren blitzblauen Blüten. „Den Eisenhut dürft ihr nicht einmal angreifen“, warnt Springl, „schon der Hautkontakt kann Halluzinationen und Lähmungserscheinungen auslösen.“

Almleben am Zehnkaser
Ein Stück gelebte Tradition findet sich am Zehnkaser, der letzten bewirtschafteten Alm der Region. Hier verbringt Sennerin Steffi Steiner die Sommer auf 1.550 Metern und macht unter anderem traditionellen Schüsselkas. „Ich wollte das Leben mehr spüren“, sagt sie. „Im Tal wird man so bequem. Hier merkt man erst, wie wenig man braucht.“ Übrigens: Die Bezeichnung „Kaser“ für eine Almhütte hat nichts mit Käse zu tun, sondern leitet sich von der casa ab, lateinisch für Haus.
Wasser aus dem Berg
Der Untersberg ist auch ein riesiger Wasserspeicher: Ein Großteil der Stadt Salzburg bezieht sein Trinkwasser aus den Quellen rund um den Berg. Für Wanderer hat das eine Kehrseite – das Wasser versickert im Karst und steht am Berg nicht überall zur Verfügung (siehe Planung & Sicherheit).
Planung und Sicherheit
Der Untersberg verzeiht keine Nachlässigkeit. Ein paar Punkte sollte man bei der Planung beachten.
1. Den Plateauberg nicht unterschätzen
Der flache, weitläufige Rücken täuscht: Wer abseits der markierten Wege unterwegs ist, bringt sich in Gefahr. Auf dem Plateau gibt es zahllose Dolinen, also Spalten im Boden, in denen man verschwinden kann – in den letzten rund hundert Jahren sind am Untersberg etwa vierzig Menschen verschwunden. Auch sonst wird der scheinbar harmlose Berg oft unterschätzt; die örtliche Bergrettung musste schon Leute in Flip-Flops vom Berg holen. Also: Markierten Wegen folgen, festes Schuhwerk tragen und bei schlechter Sicht besonders vorsichtig sein.
2. Genug Wasser mitnehmen
Quellwasser versickert im Karst. Das Nachfüllen der Wasserflasche ist also nur bei den Hütten möglich – entsprechend großzügig planen, gerade an heißen Tagen.
3. Dopplersteig nur bei Trockenheit
Die steilen, seilversicherten Stufen werden bei Nässe extrem rutschig und gefährlich. Trittsicherheit ist Pflicht; Kinder und Untrainierte sind hier fehl am Platz.
4. Eishöhle ernst nehmen
Wer die Schellenberger Eishöhle besichtigen will, muss zweieinhalb Stunden zum Eingang aufsteigen. In der Höhle herrschen ganzjährig frostige Temperaturen. Warme Kleidung und festes Schuhwerk sind also auch im Hochsommer nötig.
5. Klettersteig nur für Geübte
Der Hochthronsteig (C/D) verlangt Kraft, Ausdauer, Schwindelfreiheit und Klettersteigerfahrung.
Wichtige Fragen und Antworten
Wie hoch ist der Untersberg?
Die höchsten Erhebungen sind der Berchtesgadener Hochthron mit 1.972 Metern und der Salzburger Hochthron mit 1.853 Metern.
Gehört der Untersberg zu Österreich oder Deutschland?
Beides: Ein Drittel des 70 Quadratkilometer großen Massivs gehört zu Österreich, zwei Drittel zu Deutschland. Über das rund 17 Quadratkilometer große Gipfelplateau verläuft die Staatsgrenze.
Wie kommt man auf den Untersberg ohne lange Wanderung?
Mit der Untersbergseilbahn gelangt man in achteinhalb Minuten von St. Leonhard bei Grödig aufs Geiereck unterhalb des Salzburger Hochthrons.
Welche Wanderung am Untersberg eignet sich für Familien?
Eine entspannte Familientour ist die Wanderung durch die Almbachklamm. Der Dopplersteig ist dagegen für Kinder und Untrainierte absolut nicht geeignet.
Ist der Untersberg gefährlich?
Der flache Plateauberg wird oft unterschätzt. Auf dem Plateau gibt es zahllose Dolinen (Bodenspalten); abseits markierter Wege kann man leicht verschwinden – in rund hundert Jahren sind etwa vierzig Menschen am Berg verschwunden. Markierten Wegen folgen und festes Schuhwerk tragen.
Muss man die Schellenberger Eishöhle anmelden?
Die Eishöhle kann zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden, anmelden kann und muss man sich vorher nicht. Die Führungen finden täglich zu jeder vollen Stunde zwischen 10 und 16 Uhr statt. Zum Eingang muss man rund zweieinhalb Stunden aufsteigen, und auch im Sommer ist warme Kleidung nötig.
Wie schwierig ist der Berchtesgadener Hochthron Klettersteig?
Der Hochthronsteig führt im Schwierigkeitsgrad C/D durch die 400 Meter hohe Ostwand und ist nur für geübte, trittsichere und konditionsstarke Geher mit Klettersteigerfahrung geeignet.
Wo kann man am Untersberg übernachten?
Auf dem Stöhrhaus (1.894 m, 58 Schlafplätze), der Toni-Lenz-Hütte (1.438 m) nahe der Eishöhle und im Zeppezauerhaus (53 Schlafplätze) nahe der Bergstation.
Kann man den Untersberg mit dem Rad umrunden?
Ja, der beschilderte Radweg „Rund um den Untersberg“ ist rund 45 km lang und eignet sich auch als Gravelrunde oder gemütliche E-Bike-Tour.

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