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Skihochtour: 8 Standardmaßnahmen am Gletscher

Wissenswertes
5 Min.
18.02.2026

Foto: argonaut.pro

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von Riki Daurer

Wer mit Skiern im vergletscherten Gelände unterwegs ist, der sollte einige Dinge beachten. Von der Vorbereitung über die Ausrüstung bis zum richtigen Verhalten in Spaltenzonen: Wir geben dir acht hilfreiche Tipps.

Vorbereitung

Im Winter auf Hochtour –also mit einem Board, den Skiern oder Schneeschuhen unter den Füßen – wird mit der Spaltensturzgefahr anders umgegangen als bei Gletschertouren im Sommer, denn:

  • Im Sommer ist man zu Fuß (also „nur“ mit seinen Bergschuhen) unterwegs und Anseilen beim Auf- und Abstieg ist dabei Standard, denn das Risiko durch die Schneedecke in eine Spalte einzubrechen ist höher – und das Gehen am Seil behindert kaum.

  • Im Winter auf Skiern o.ä. ist unangeseiltes Aufsteigen und vor allem Abfahren besonders auf bekannt „harmlosen“ Gletschern öfter der Normalfall.

Grund dafür sind erstens die günstigeren Belastungsverhältnisse, die sich durch die Fortbewegung auf Skiern ergeben, und zweitens der Umstand, dass die Spalten durch den Schnee besser überdeckt sind. Entscheiden dafür, sind aber immer die aktuellen Verhältnisse: Nach einem schneearmen Winter sind die Gletscherspalten teilweise nicht massiv eingeschneit und stabil überdeckt, daher wird man eher anseilen als nach einem schneereichen Winter und eine defensivere Routenwahl treffen!

Dazu kommt, dass einerseits das angeseilte Abfahren mit Skiern über längere Distanzen kaum zumutbar ist und andererseits durch dieses Seilschaftsfahren auch neue Gefahren entstehen:

  • Bei einem Lawinenabgang wird die ganze Seilschaft mitgerissen.

  • Wird ein Spaltensturz nicht gehalten, dann werden alle Seilschaftsmitglieder mitgerissen.

  • Das Skisturz- bzw. Verletzungsrisiko erhöht sich.

Zuweilen steigen Skitourengruppen – insbesondere im Bereich von potenziellen Spaltenzonen – zwar angeseilt über einen Gletscher auf, fahren dann aber seilfrei ab. Die Gefahren müssen jedenfalls immer situationsbedingt beurteilt und abgewogen werden!

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Tourenplanung

Um auf „Seilfahrten“ möglichst verzichten zu können, ist eine entsprechende Tourenplanung nötig: Möchte man einfach nur eine tolle Tour im vergletscherten Hochgebirge erleben, empfiehlt es sich, auf bewährten und beliebten Aufstiegs- und Abfahrtsrouten unterwegs zu sein, wo das Spaltensturzrisiko gering ist bzw. massiv eingefahrene Korridore bestehen. Doch Achtung: Es gibt genügend Beispiele, in denen unmittelbar neben dem oder im verspurten Betreich ein Spaltensturz geschah.

Unternimmt man eine Durchquerung oder anspruchsvolleres Skibergsteigen, kann die Seilverwendung leichter umgesetzt werden, wenn sie bereits im Vorfeld durchgesprochen und eingeplant wurde.

Im Rahmen einer solchen Tourenplanung erkundigt man sich anhand von aktuellen Karten und Führerliteratur möglichst genau über die besten Aufstiegs- und Abfahrtslinien – digital und analog, wobei aktuelle Informationenvon  von Bergführerinnen vor Ort, kompetenten Tourenfreunden bzw. Hüttenwirten unbezahlbar und am besten sind.

Achtung: Nur weil auf einer analogen oder digitalen Karte eine Route eingezeichnet ist,jemand gesagt oder gepostet hat, dass diese auch ohne Seil problemlos zu meistern istheißt das noch lange nicht, dass man dort auf keine Spalten trifft.

Außerdem zu beachten: Bei der Planung von Skihochtouren ist ein realistischer Zeitplan besonders wichtig, da die Spaltensturzgefahr allgemein mit der Tageserwärmung steigt (die Lawinengefahr bei einer klassischen Frühlings-/Nassschneesituation übrigens auch).

Apropos Tourenplanung: In den letzten Jahren haben sich die Gletscher massiv verändert und damit auch die Anstiege und Übergänge. Wer also das letzte Mal vor 15 Jahren eine Skihochtour gemacht hat, darf nicht damit rechnen, dass das Gelände gleich aussieht und Aufstieg und Abfahrt wie „damals“ machbar sind.


Ausrüstung

Skihochtouren sind in Sachen Ausrüstung eine ziemlich aufwendige Sache: Zusätzlich zu Ski oder Board sowie der allgemeinen Notfallausrüstung (Erste-Hilfe-Set, Handy/Kommunikation, Biwaksack) und jener für Lawinennotfälle (LVS, Schaufel, Sonde) ist auch eine entsprechende seiltechnische Ausrüstung notwendig – zusätzlich müssen oft noch Pickel und Steigeisen mitgeführt werden. Weil im vergletscherten Hochgebirge die Wetterverhältnisse auch im Frühling extrem wechselhaft sein können, gilt es entsprechend vielseitige Bekleidung mitzuführen.

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Skihochtouren sind die Königsdisziplin des Skitourengehens: Sie führen durch vergletschertes Gelände und manchmal wartet auch noch ein Felsgrat oder kombiniertes Gelände vor Erreichen des Gipfels. Für diese hochalpinen Anforderungen braucht es neben dem entsprechenden Können auch die passende Ausrüstung.

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1. Gurt anziehen

Es hat sich bewährt, gleich vom Start weg – also auf der Hütte, Seilbahnstation, aber spätestens sobald der Gletscher betreten wird – den Hüftgurt anzulegen. Damit entfällt einerseits das oft umständliche Anziehen des Gurts im Gelände, andererseits fällt die Entscheidung fürs Anseilen zumeist leichter, wenn der Gurt bereits angezogen ist. Darüber hinaus ist auch die Rettung bei einem (unangeseilten) Spaltensturz einfacher, wenn der Gestürzte einen Gurt trägt.
Dabei empfiehlt es sich auch gleich eine „Abwurfschlinge“ zwischen Gurt und Rucksackdeckel/-tragegriff zu montieren:bricht man unangeseilt  in eine Spalte ein, kann dort leicht und schnell ein Seil eingehängt werden (und – wie der Name schon sagt – bei einem angeseilten Spaltensturz der Rucksack schnell abgeworfen werden).


2. Anseilen

Angeseilt wird immer:

  • Auf bekannt gefährlichen Gletschern und in spaltenreichen Zonen.

  • Bei schlechter Sicht oder Orientierungsproblemen.

  • Bei schwacher Spaltenüberdeckung: vor allem also im Frühwinter, nach schneearmen Wintern, bei Winderosion oder durchhängenden Brücken! Achtung: Bei guter Schneelage sind zwar die kleinen und mittleren Spalten gefüllt, nicht jedoch die großen. Stürzt man in eine solche Spalte, wird man zumeist auch noch von den nachstürzenden Schneemassen zugeschüttet.

  • Nach Neuschnee beziehungsweise bei neuer Spuranlage auf spaltenreichen Gletschern.

  • Bei starker Durchfeuchtung der Schneedecke, weil die tragfähigen Spaltenbrücken aufweichen.


3. Abstände einhalten

Im Aufstieg am Gletscher empfiehlt es sich, Abstände von mindestens (!) 5 Metern einzuhalten. Bei der Abfahrt sollte der Abstand mindestens 30 Meter betragen. Dadurch wird die Belastung auf die Spaltenbrücken minimiert,somit auch die Spaltensturzgefahr reduziert und wenn, dann bricht nur eine Person ein.


4. Sichere Sammelpunkte

Auch an den Sammel- bzw. Rastpunkten sollte der Mindestabstand von 5 Metern eingehalten werden, damit punktuell keine hohen Belastungen entstehen. Besonders in bekannten Spaltenzonen bzw. Gletscherbrüchen gilt es, sichere Sammelpunkte zu wählen. Kritisch sind meist Geländekuppen oder Rücken, da sich in diesen Bereichen besonders viele Spalten befinden.


5. Klare Anweisungen

Entlang von kritischen Passagen sind klare Anweisungen wie beispielsweise „Spurfahren“ oder „Anhalten“ besonders wichtig. Mit entsprechender Erfahrung lassen sich Spaltenzonen oft erkennen und rechtzeitig umfahren. Wichtig ist dann allerdings, dass auch alle Gruppenmitglieder die Vorgaben verstehen und exakt einhalten. Das setzt neben einer klaren Kommunikation auch ein entsprechendes skifahrerisches Können voraus – fehlt dieses, heißt es: Anseilen!


6. Skier anlassen und angeseilt bleiben

Aufgrund der günstigeren Belastungsverteilung sollte man seine Skier am Gletscher immer anbehalten. Das gilt auch fürs Anseilen: Ist man bereits angeseilt, bleibt man das auch – und zwar auch bei Pausen oder beim Gang zur „Toilette“. Das Anbringen/Abziehen der Felle erfolgt nacheinander, sodass man mit einem Bein immer auf einem Ski steht.


7. Vorausschauend und defensiv abfahren

Verdeckte Spalten sind meist schwierig zu erkennen. Dementsprechend muss eine vorausschauende Fahrweise gewählt werden, sodass man jederzeit problemlos und rechtzeitig anhalten kann. Das heißt zugleich auch, dass das Tempo nicht zu hoch sein darf. Achtung: Die nachfolgenden Skifahrer bleiben standardmäßig (wie bei jeder Skitour) immer oberhalb des ersten Abfahrers stehen, da dieser ja unter Umständen direkt an einer Spalte warten könnte.


8. Flucht nach vorne

Hat man bei der Abfahrt eine Spalte übersehen und kann nicht mehr rechtzeitig bremsen, gilt es, die Belastung möglichst gering zu halten. Das heißt: Das Gewicht möglichst von den Skiern nehmen und die Spalte in flottem Tempo rechtwinklig queren. Ein solches Manöver setzt natürlich skifahrerisches Können voraus, grundsätzlich gilt aber: Nicht versuchen noch irgendwie anzuhalten, wenn es bereits zu spät ist!


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