
Eignen sich Trailrunningschuhe fürs Wandern?
Foto: Madlaina Walther / Red Bull Media House Publishing
von Denis Pscheidl
Leicht, flexibel, griffig: Wann Trailrunningschuhe auch zum Wandern und Bergwandern passen – und wann nicht. Das solltest du unbedingt wissen, bevor du mit ihnen zur nächsten Tour aufbrichst.
Auf einen Blick
Trailrunningschuhe sind keine Allzweckwaffe für jedes Gelände, sondern eine bewusste Entscheidung für spezifische Einsätze. Sie eignen sich für schnelle Tagestouren auf guten Wegen dank geringem Gewicht, Dämpfung und Grip auf Wurzeln oder nassem Fels. Allerdings fehlt Stabilität bei rutschigem und felsigem Gelände, Schnee oder schwerem Rucksack. Je erfahrener der Träger oder die Trägerin des Trailrunningschuhs ist, desto größer ist auch der Einsatzbereich.
Trailrunningschuhe werden immer beliebter. Ihre Verkaufszahlen steigen jährlich. Nicht nur, weil immer mehr Menschen Trailrunning für sich entdecken, sondern auch, weil viele Leute Trailrunningschuhe zum Wandern und Bergsteigen verwenden. Ihr geringes Gewicht, die griffige Sohle und der hohe Tragekomfort machen sie auf den ersten Blick zu einer verlockenden Alternative zu klassischen Wanderschuhen. Doch wie gut eignen sich die Trailrunningschuhe tatsächlich, wenn es steil, nass oder felsig wird? Wo liegen die Grenzen von Trailrunningschuhen jenseits der Laufstrecke – und für wen kann der Einsatz am Berg wirklich sinnvoll sein?
Was sind Trailrunningschuhe?
Trailrunningschuhe sind Laufschuhe, die speziell für das Laufen auf unbefestigten Wegen und im Gelände entwickelt wurden. Im Vergleich zu klassischen Laufschuhen haben sie ein gröberes Profil und eine griffigere Sohle, so bieten sie auf Wurzeln, Matsch und Geröll besseren Halt. Zusätzlich sind sie sowohl im Schaft als auch in der Sohle stabiler aufgebaut und sollen so vor Umknicken auf unebenem Untergrund schützen. Viele Modelle besitzen verstärkte Zehenkappen und sind aus robusten Materialien gefertigt, die den Fuß vor scharfkantigen Steinen schützen. Gleichzeitig bleiben Trailrunningschuhe leicht und flexibel, um ein dynamisches, effizientes Laufen im Gelände zu ermöglichen.

Kann man mit Trailrunningschuhen auch wandern?
Grundsätzlich ja, mit Trailrunningschuhen kann man auch Wandern und Bergsteigen. Im Internetforum Reddit scheint ein Großteil der Wanderinnen und Wanderer nur noch Trailrunningschuhe zu verwenden, nicht wenige von ihnen auch für Weitwandertouren. Und wer in letzter Zeit einmal am Berg war, weiß, wie viele Menschen auch dort die geländetauglichen Laufschuhe tragen. Denn für die meisten Leute sind sie bequemer als Wanderstiefel. Ob Trailrunningschuhe beim Wandern für dich persönlich sinnvoll sind oder nicht, hängt allerdings stark vom Charakter der Tour und deiner Erfahrung ab. Denn Trailrunningschuhe haben – weil sie in erster Linie als Laufschuhe konzipiert sind – einige Vor- und Nachteile gegenüber hohen Wanderschuhen. Über diese solltet ihr Bescheid wissen, bevor ihr euch entscheidet, einen Trailrunningschuh zum Wandern zu kaufen.
Vorteile von Trailrunningschuhen
Gegenüber Straßenlaufschuhen:
Besserer Halt dank gröberem Profil.
Robusterer Aufbau sorgt für Stabilität und Schutz.
Gegenüber Wanderschuhen
Leichter, flexibler und atmungsaktiver.
Weiche, klebrige Gummisohle bietet besseren Grip auf nassem Fels und Wurzeln.
Dämpfung schont Gelenke, Sehnen und Muskeln und fördert natürliches Abrollen.
Häufig als bequemere Alternative wahrgenommen.

Nachteile von Trailrunningschuhen
Gegenüber Wanderschuhen:
Leichteres Umknicken durch niedrigen Schaft und weichere Sohle. Besonders in alpinen Blockfeldern, unebenem Terrain oder mit schwerem Rucksack.
Schlechterer Halt auf sehr rutschigem Untergrund. Profil hält mit scharfen Kanten von Berg-Sohlen nicht mit, vor allem auf Geröll und Schneefeldern.
Weniger Schutz vor scharfen Steinen und Feuchtigkeit.
Materialien verschleißen schneller.
Schnellere Ermüdung durch weichere Sohle.

Wann machen Trailrunningschuhe zum Wandern Sinn?
Trailrunningschuhe sind für ein bestimmtes Terrain gemacht. Bevor ihr euch entscheidet, mit einem Trailrunningschuh wandern zu gehen, solltet ihr euch also gut über die geplante Tour informieren. Seid ihr auf befestigten oder gut gepflegten Wegen unterwegs – wie Forststraßen und breiten, gut ausgetretenen Pfaden –, könnt ihr getrost zum Trailrunningschuh greifen. Dort bietet er genügend Halt und Stabilität, während sein geringes Gewicht und die Dämpfung langes Gehen angenehmer machen. Erfahrene Outdoorsportlerinnen und -sportler können auch in anspruchsvollerem Gelände mit einem Trailrunningschuh sicher unterwegs sein, etwa bei schnellen Tages-Bergtouren mit leichtem Rucksack oder in gemischtem Untergrund wie Wurzeln und weichem Boden.
Unter besonders rutschigen Bedingungen wie auf lockerem Geröll und Schnee oder in hochalpinem Gelände hat der Trailrunningschuh aber nichts mehr verloren – hier überwiegen die Risiken durch mangelnden Schutz und Stabilität. Ungeübte Wanderer und Wanderinnen sollten deshalb eher zu einem hohen Wanderschuh greifen, wenn die Bedingungen vor Ort nicht klar sind.

Welche Alternativen zu Trailrunning- und Wanderschuhen gibt es?
Die Lücke zwischen leichten, bequemen Trailrunningschuhen und schweren, stabilen Wanderstiefeln schließen zum Beispiel Zustiegsschuhe (Approachschuhe). Sie sind fast so leicht wie Trailrunningschuhe, verfügen je nach Modell aber über eine festere Sohle und sind auch mit ausgeprägtem Profil erhältlich. Außerdem haben viele Modelle im Bereich der Zehen eine sogenannte Climbing Zone. Dort ist der Schuh noch einmal verstärkt und hat kein Profil, was ihn ideal für Klettersteige macht. Aber Achtung: Zustiegsschuh ist nicht gleich Zustiegsschuh. Auch hier solltest du dir genau überlegen, wofür du den Schuh brauchst. Grundsätzlich gilt: Ein Schuh mit wenig Profil bietet besseren Halt auf Felsplatten, während einer mit gröberem Profil auf Schotter und in Schneefeldern besser greift. Ist der Schuh weicher, eignet er sich besser zum Gehen, weil man natürlicher abrollen kann. Harte Zustiegsschuhe sind dagegen eher für anspruchsvolles Gelände und Klettereien geeignet.

Zum Autor

Denis Pscheidls Welt sind die Berge – und die beginnen praktischerweise direkt vor seiner Haustür in Innsbruck. Im Sommer ist er beim Bergsteigen oder Klettern unterwegs, im Winter auf Skitour. Selbst ein kurzer Abstecher an die Deutsche Journalistenschule in München konnte daran nichts ändern und es zog ihn im Anschluss sofort zurück in die Hauptstadt der Alpen. Heute arbeitet er als freier Journalist und schreibt am liebsten über Berge, Umwelt und Wissenschaft. Für Bergwelten verbindet er Praxis mit Recherche und liefert Ausrüstungstipps, die nicht am Schreibtisch entstehen, sondern draußen.